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Holunder

Der Holunder gehört zur Familie Adoxaceae(bis zum Jahre 2009, als die Klassifikation APGIII veröffentlicht wurde, wurde er aber der Familie Caprifogliaceezugerechnet), ist ein Strauch mittlerer/großer Größe und wächst als Wildpflanze in den subtropischen Regionen der Welt. Die Gattung enthält weltweit elf anerkannte Arten (www.theplantlist.ord). Der wissenschaftliche Name der Pflanze, Sambucus, kommt vom griechischen Wort sambychè: Das Wort bezeichnet ein musikalisches Instrument, der Harfe ähnelndes, welches in der griechischen Antike gespielt und wahrscheinlich aus dem flexiblen Holunderholz gebaut wurde.

Die Herkunft des griechischen Wortes sambychègeht noch weiter zurück, bis in den Nahen Osten der Antike. In der Tat kommt der Holunder ursprünglich von diesem Gebiet, genauer gesagt aus dem Kaukasus. Später verbreitete sich die Pflanze in ganz Europa, besonders „an sumpfigen und schattigen Orten“ (etymologisches Wörterbuch der italienischen Sprache, ad vocem). So wurzeln auch die Anweisungen über den Einsatz der Pflanze, welche von Plinius der Ältere im ersten Jahrhundert v.Chr. in Naturalis historiaausgeführt wurden, im vom Exotismus stark geprägten damaligen naturwissenschaftlichen Wissen. Im Buch XXIV der Enzyklopädie wird auf zahlreiche Heilanwendungen dieser Pflanze hingewiesen, sowohl auf die realen Wirkungen (entzündungshemmende, diuretische, abführende Wirkung), als auch auf die mutmaßlichen. Ein Beispiel dafür bildet der im Buch erwähnte Volksglaube, welcher besagt, die in Wein gekochten Blätter von Holunder seien hilfreich gegen Schlangenbiss (S. 511): Die Naturalis historiastellt damit den Ausgangspunkt einer langen, dauernden und oft legendären medizinischen Tradition über den Holunder dar.

Ab der Veröffentlichung der Naturalis historia wurde das Wissen über die Heilanwendungen von Holunder über die Zeit der Renaissance und der Aufklärung hinweg weiterentwickelt und bis in unsere Zeit überliefert. Im Buch Discorsi, das vom toskanischen Arzt Pietro Andrea Mattioli geschrieben wurde, wird der Holunder zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben. Obwohl die Absicht des Autors darin besteht, die Gattung der Pflanze wissenschaftlich zu klassifizieren, wurde das Buch im typisch eleganten und lyrischen Stil der Renaissance-Texte geschrieben: Die Dolden werden zu „ombrelle rotonde“ („runde Schirme“) verglichen, an welchen die „purpurfarbigen“ Beeren wachsen; der kräftige Saft aus den üppigen Trauben ähnelt dem Wein (1329 f.) Auch Tommaso Campailla, sizilianischer Dichter und Philosoph, lobt mit Versen die Holunderpflanze und schreibt ihr in seinem Gedicht Adamodie wertvolle Wirkung zu, das Leben sterbender Menschen zu retten (Buch XI, Oktave 101).

Neben der (volks-)medizinischen Tradition verbreiteten sich schon seit Vorzeiten viele Aberglauben über die Wirkungen des Holunders. In manchen Ländern war die Pflanze beliebt, wie z.B. in Dänemark und Schweden, wo man glaubte, sie schützte das Haus und vertreibe böse Geister. In anderen Ländern fürchtete man den Holunder, wie in Niederbretagne und Galicien, weil man glaubte, der Schatten der Holunderpflanze sei gefährlich. Die zahlreichen Legenden über diese Pflanze wurden von Pierre Lieutaghi in Libro degli alberi e degli arbustigesammelt. In diesem Buch verbinden sich alte und moderne Kultur, Naturwissenschaft und Mythologie.

Alle diese Legenden – egal ob der Pflanze wohltuende oder schädliche Wirkungen zugeschrieben wurden – trugen dazu bei, dass der Holunder eine große Faszination auf die Menschen ausübte, was sich in der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts widerspiegelte. Gabriele d’Annunzio beschreibt seinen „frischen und milden“ Geruch in Il libro delle vergini(Die Jungfrauen) und der Dichter Eugenio Montale erwähnt seine Früchte, die mit „Fialen“ verglichen werden, in Flussi, Gedicht von der Sammlung Ossi di seppia (Die Knochen des Tintenfisches). Die ausführlichste Beschreibung von dieser Pflanze kommt von der Dichterin Maria Luisa Spaziani, für welche die sehr kleinen Blüten der schirmartigen Holunderdolden an einen wunderschönen Sternenhimmel erinnern.